Schon heute 720.000 Tonnen Treibhausgase vermieden
Sie finden die Passagen zur Verkehrs-, Umwelt- und Klimapolitik auf den Seiten 17 bis 20 des Downloads.
Die Leitstelle Klimaschutz in der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) hat die Aufgabe, das Klimaschutzkonzept umzusetzen, weiter zu entwickeln und Behörden übergreifend zu koordinieren. Im Winter 2010/11 ist es erneut fortgeschrieben worden.
- Lesen oder downloaden Sie hier die neue Fortschreibung des Klimaschutzkonzeptes im Wortlaut /Hamburg Climate Action Plan in English. Dazu weitere Downloads am Schluss dieser Seite.
Senat und Bürgerschaft hatten beim Start des Klimaschutzkonzepts Hamburg 2007 beschlossen, dass der CO2-Ausstoß der Stadt ab 2012 um jährlich mindestens 2 Millionen Tonnen sinken muss. Nach Analyse des Wuppertal-Instituts sollten davon rund die Hälfte, nämlich 1.050.000 Tonnen, durch Maßnahmen des Klimaschutzkonzepts selbst und durch die Hamburger Industrie erbracht werden. Ergebnisse des aktuell durchgeführten CO2-Monitorings zeigen, dass die Projekte des Klimaschutzkonzeptes am Jahresende 2010 bereits 390.000 Tonnen von insgesamt 550.000 Tonnen CO2-Einsparnis für 2012 erreicht haben - rein rechnerisch wären 330.000 Tonnen nötig gewesen. Genauso erfolgreich hat die Industrie gearbeitet. Bis Jahresmitte 2010 wurden durch die Selbstverpflichtung elf großer Hamburger Unternehmen 330.000 Tonnen CO2 pro Jahr vermieden. Rechnerisch hätten es zu diesem Zeitpunkt 300.000 Tonnen sein müssen, denn bis 2012 soll die Industrie eine halbe Million Tonnen CO2 einsparen. Stadt und Industrie liegen also mit schon heute zusammen 720.000 Tonnen pro Jahr eingespartem CO2 besser als im Plan und können ihre geplanten Einsparsummen bis 2012 gut erreichen.
2010 flossen 25 Millionen Euro ins Klimaschutzkonzept Hamburg. 2011 und 2012 soll die Summe geringfügig um 10 Prozent auf 22,5 Millionen Euro als Beitrag zur Haushaltskonsolidierung sinken.
Das Klimaschutzkonzept Hamburg umfasst die drei Bereiche „Minderung der Treibhausgase“ (z.B. Energie, Gebäude, Mobilität), „Anpassung an den Klimawandel“ (Anpassungsstrategie und Stadtklimamodellierung) und „Übergreifende Sektoren und Themen“ (z.B. Bewußtseinsbildung, Internationaler Klimaschutz und Evaluierung).
Hocheffiziente Umwelt- und Klimaschutztechnik
Im Programm Unternehmen für Ressourcenschutz (Bereich „Minderung der Treibhausgase“) werden die Beratung von Unternehmen zu Fragen der Energieeffizienz und nachfolgende Investitionen gefördert. Ein Euro Subvention in hocheffiziente Umwelt- und Klimaschutztechnik löst rund 10 Euro Investitionen in diesem Bereich aus. Ab 2011 sollen über dieses Programm rund 150.000 Tonnen CO2 jährlich eingespart werden. Die neuste Maßnahme und eines der größten Einzelprojekte ist der gerade fertig gestellte Einbau einer Dampfturbinen-Anlage in der Müllverbrennungsanlage Borsigstraße, durch die allein 12.000 Tonnen CO2 pro Jahr vermieden werden.
Im Programm Wohnraummodernisierung bei Mietwohnungen in Mehrfamilienhäusern wurden 2009 rund 7.500 Wohneinheiten energetisch saniert und damit eine jährliche CO2-Einsparung von 19.000 Tonnen CO2 erreicht.
Das IBA-Modellprojekt Tiefengeothermie soll in Wilhelmsburg künftig Hitze aus dem Erdinnern zur Wärmeversorgung nutzbar machen. Dabei kann für diesen Stadtteil bei Erfolg des Projekts Wärme aus 130 Grad heißem Wasser aus 3.500 m Tiefe für Heizungen genutzt werden. Das wird die lokalen Emissionen um 85% senken und jährlich 13.700 Tonnen CO2 einsparen.
Knapp 10 Prozent der Mittel gehen in Projekte der schulischen und beruflichen Bewusstseinsbildung (Bereich „Übergreifende Sektoren und Themen“). Sie haben zwar derzeit noch keine unmittelbar messbare CO2-Auswirkung, werden aber durch Verhaltensänderung kurz- bis mittelfristig zu CO2-Einsparungen führen:
Das Klimaschutzkonzept Hamburg fördert etwa die Fortbildung von Handwerkern in klimarelevanten Techniken im Harburger Elbcampus. Das Projekt „ELBCAMPUS – Zukunftskreise für Handwerker“ bietet die Voraussetzung dafür, dass Handwerker ihre Bauherren zu allen klimarelevanten Bau- und Heiztechniken beraten können. Zahlreiche Handwerker haben bisher an dieser Fortbildung teilgenommen.
Die Arbeit des Hamburger Planetariums als Bildungsstätte zum Thema „Klimawandel“ wird auch 2011 weiter gefördert. Die erfolgreichen virtuellen Klimaexpeditionen richten sich vor allem an Jugendliche und Kinder und helfen, klimafreundliches Verhalten zu entwickeln. Wegen der großen Nachfrage sollen diese Klimaexpeditionen auch in Schulen und Stadtteilzentren möglich werden. Dafür werden Klima-Iglus entwickelt, in denen mit der Technik des Planetariums vor Ort informiert werden kann. Der erste Unterricht im Klima-Iglu soll bereits 2011 stattfinden.
2011 liegt der Förderschwerpunkt im Gebäudebereich
Ein besonderes Problem bei der energetischen Modernisierung von Häusern und Wohnungen hat Hamburg mit Backsteinbauten. Es soll kein Einheitsstadtbild durch weiß gedämmte Häuser entstehen. Um Alternativen zu entwickeln, hat die Stadt das Projekt Backsteinfonds (Bereich „Minderung der Treibhausgase“) ins Klimaschutzkonzept Hamburg aufgenommen. Er soll Alternativen fördern, wenn energetische Maßnahmen nicht durch andere Programme erreicht werden können. Um dieses Förderprogramm aufzubauen, stehen in diesem Jahr 400.000 Euro bereit. Auch das EU-Projekt „Cool Bricks“ vieler Ostseeanrainer untersucht Sanierungsmöglichkeiten für Backsteinbauten. Hamburg, vertreten durch das Denkmalschutzamt der Kulturbehörde, koordiniert das Projekt.
Ebenfalls international ausgerichtet ist das Projekt „EUCO2 80/50“ (steht für 80 Prozent CO2-Minderung bis 2050). Hier entwickeln 15 europäische Metropolregionen unter der Koordination Hamburgs seit 2008 Klima-Langfriststrategien. Zunächst wurden regionale CO2-Bilanzen erhoben. In regionalen Workshops wurden dann mithilfe einer Computer-Simulation Annahmen überprüft und Reduktionsszenarien entwickelt: Welche CO2-Verringerung lässt sich z.B. mit konsequent atom- und kohlestromfreier Fernwärmeversorgung erreichen? In Hamburg nahmen 240 regionale Entscheider aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Umweltverbänden an über 30 Workshops teil.
Dr. Herlind Gundelach, zu der Zeit Umweltsenatorin, präsentierte das Konzept: „Das Klimaschutzkonzept Hamburg ist das zentrale Instrument der Klimapolitik dieser Stadt und hat maßgeblich zum Titelgewinn ‚Umwelthauptstadt Europas 2011‘ beigetragen. Die Zahlen belegen, dass wir auf dem richtigen Weg sind, um unser Ziel, 40 Prozent weniger CO2-Ausstoß bis 2020, zu erreichen. Wir setzen rund 450 Maßnahmen um. Gelder fließen vor allem in solche Maßnahmen, die eine direkte und messbare CO2-Verringerung bringen. Deswegen gehen sowohl 2010 als auch 2011 fast 80 Prozent der Mittel in die Bereiche Gebäudesanierung, Mobilität, Anlagentechnik und innovative Energiekonzepte.“ Die übrigen Gelder des Klimaschutzkonzepts Hamburg fließen in Forschung, Schul- und Bewusstseinsbildung sowie Energieberatung, weil hier schon heute klimaschonendes Verhalten bewirkt und gute Grundlagen für die Zukunft gelegt werden. Erstmals konnten für 2010 Ergebnisse eines CO2-Monitorings für rund 170 Maßnahmen vorgelegt und das eingesparte CO2 berechnet werden.
